Expats.de Icon
Expats.de
Banking

Altersvorsorgedepot: die neue geförderte Altersvorsorge ab 2027

Oliver Frankfurth
Oliver Frankfurth
October 2026
8 min

11 Years Experience

Guiding expats since 2014.

Licensed Expertise

§34d certified broker.

200K+ Community

Verified by thousands.

Expert Verified

Fact-checked.

Kurzzusammenfassung

Ab 1. Januar 2027 ersetzt das Altersvorsorgedepot Riester bei neuen Verträgen. Der Staat legt auf deine ersten 360 € im Jahr 50 % drauf und auf den Rest bis 1.800 € noch 25 %, höchstens 540 €, dazu bis zu 300 € je Kind. Wer in der deutschen Rentenversicherung pflichtversichert ist, bekommt die Zulage unabhängig vom Pass, also auch mit Blue Card. Das Geld bleibt bis mindestens 65 gebunden, außer für eine selbst genutzte Wohnung. Wohnst du nach Beginn der Auszahlung irgendwann außerhalb von EU und EWR, fordert der Staat die Förderung zurück. Ob die Zulage bei dir ankommt, entscheiden die Kosten.

Stand 26. Oktober 2026

Das Altersvorsorgereformgesetz ist beschlossen und verkündet (BGBl. 2026 I Nr. 156, Gesetz vom 26. Mai 2026). Zulagen und das neue Depot starten am 1. Januar 2027. Die Anbieter haben Produkte angekündigt, Zertifizierung und Preise können sich bis zum Start noch ändern. Die Anbieterangaben in diesem Ratgeber geben ihre Websites vom 26. Oktober 2026 wieder.

Oliver
Oliver Frankfurth, Bankfachwirt (IHK)
"

Riester ist selten an zu kleinen Zulagen gescheitert. Die Gebühren haben sie aufgefressen. Schau dir zuerst die Effektivkosten an, dann den Bonus.

expats.de erklärt internationalen Arbeitnehmern seit 2014 die deutsche Altersvorsorge. Dieser Ratgeber folgt dem Gesetz im Bundesgesetzblatt und den Bundestagsdrucksachen dazu (21/4088 und 21/4996). Wo das Gesetz eine Frage offenlässt, steht das hier. Hast du Kinder, lies auch unseren Ratgeber zur Frühstart-Rente: Sie zahlt ab 2027 in ein Standarddepot für Kinder.

Was das Altersvorsorgedepot ersetzt

Das Wort Riester kommt im Gesetz nicht vor. Dort steht: Verträge, die nach altem Recht zertifiziert sind, dürfen nach dem 31. Dezember 2026 nicht mehr verkauft werden. Ab 2027 folgt jeder neue geförderte Vertrag den neuen Regeln. Bestehende Riester-Verträge laufen nach altem Recht weiter, bis du wechselst.

Das neue Recht kennt mehrere Produktarten:

  • Garantieprodukt. Banken und Versicherer garantieren zum Rentenbeginn 80 % oder 100 % der Beiträge und Zulagen.
  • Altersvorsorgedepot. Ein Depot ohne Garantie. Du oder der Anbieter wählen Fonds bis Risikoklasse 5, dazu Staats- und Unternehmensanleihen in Euro.
  • Standarddepot. Eine einfache Form des Altersvorsorgedepots. Der Anbieter legt zwei Fonds fest, einen riskanteren und einen sichereren, und schichtet in den Jahren vor der Rente in den sichereren um. Abschließen kannst du es online ohne Beratung.

Wer ein Garantieprodukt oder ein Altersvorsorgedepot anbietet, muss auch ein Standarddepot anbieten. Gefördert werden je Person höchstens zwei neue Verträge, die ab 2027 abgeschlossen werden.

Eine Falle für Riester-Sparer: Schließt du ab 2027 irgendeinen neuen zertifizierten Vertrag ab, wechseln alle deine alten Verträge automatisch ins neue Recht. Du kannst den Wechsel auch selbst erklären; rückgängig machen lässt er sich in beiden Fällen nicht. Das Gesetz erlaubt, Kapital aus einem Riester-Vertrag in ein Altersvorsorgedepot zu übertragen. Frag vorher deinen bisherigen Anbieter nach Kündigungsfrist und Übertragungskosten.

Wer die Zulage bekommt

Die Förderung folgt dem bisherigen Riester-Kreis und nimmt zwei Gruppen dazu:

  • Beschäftigte mit Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung, also fast alle Arbeitnehmer in Deutschland;
  • Beamte, Richter und Soldaten sowie einige gleichgestellte Gruppen;
  • neu ab 2027: Menschen unter 67, die entweder Einkünfte aus Gewerbe oder freiem Beruf haben und für das Jahr eine deutsche Steuererklärung abgeben, oder als Angestellte Pflichtmitglied eines berufsständischen Versorgungswerks sind und der Datenübermittlung zustimmen.

Ein Ehepartner ohne eigene Berechtigung kann auf einem eigenen Vertrag eine gedeckelte Grundzulage bekommen, wenn der andere Ehepartner berechtigt ist.

Blue Card und andere ausländische Beschäftigte. Staatsangehörigkeit und Aufenthaltstitel erwähnt das Gesetz nicht. Es verlangt die Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung. Nach dem Sozialversicherungsrecht ist jeder, der in Deutschland gegen Entgelt arbeitet, pflichtversichert, egal mit welchem Pass. Wer mit Blue Card einen deutschen Arbeitsvertrag hat, ist also nach der allgemeinen Regel berechtigt. Die Ausnahmen stehen im Sozialversicherungsrecht: Hat dich ein Arbeitgeber im Ausland nach Deutschland entsandt, oder bleibst du nach einer EU-Verordnung oder einem Sozialversicherungsabkommen im Heimatland versichert, bist du womöglich nicht in Deutschland versichert und dann nicht berechtigt. Ob du deutsche Rentenbeiträge zahlst, zeigt deine Gehaltsabrechnung.

Wie viel der Staat dazugibt

Die Grundzulage hat zwei Stufen. Auf deine ersten 360 € Eigenbeitrag im Jahr legt der Staat 50 % drauf. Auf den Teil darüber, bis 1.800 €, kommen 25 %. Damit liegt die Grundzulage bei höchstens 540 € im Jahr. Unter 120 € Eigenbeitrag gibt es gar keine Zulage, auch keine gekürzte.

Dein Beitrag im JahrGrundzulage (Beispielwerte)
120 € (Mindestbeitrag)60 €
360 €180 €
600 €240 €
1.200 €390 €
1.800 € oder mehr540 €

Kleine Beträge bekommen den höchsten Satz. Das macht das Depot für alle interessant, die wenig, aber regelmäßig sparen.

Berufseinsteigerbonus. Bist du am 1. Januar des Beitragsjahres noch nicht 25, steigt die Grundzulage einmalig um 200 €. Auch dafür brauchst du den Mindestbeitrag. Offen: Die neue Fassung sagt nicht, ob jemand den Bonus noch einmal bekommt, der den alten Riester-Bonus schon erhalten hat.

Steuerabzug. Beiträge bis 1.800 € zuzüglich Zulage kannst du als Sonderausgaben absetzen. Das Finanzamt prüft von selbst, ob der Abzug mehr bringt als die Zulage, und erstattet den Unterschied. Das lohnt sich vor allem bei höherem Einkommen.

Einzahlen darfst du bis zu 6.840 € im Jahr. Was über 1.800 € liegt, bekommt keine Zulage, wächst im Depot aber ohne jährliche Steuer.

Die Kinderzulage

Für jedes Kind verdoppelt der Staat deinen Eigenbeitrag, bis zu 300 € je Kind und Jahr. Die volle Kinderzulage erreichst du mit 300 € Eigenbeitrag im Jahr. Offen: Ob dieser Betrag bei mehreren Kindern für jedes Kind die volle Kinderzulage auslöst, sagt das Gesetz nicht ausdrücklich; der Wortlaut spricht dafür.

Wer sie bekommt, hängt am Kindergeld. Die Kinderzulage erhält der berechtigte Sparer, für den die Familienkasse das Kindergeld für dieses Kind festsetzt; auf welches Konto es fließt, spielt keine Rolle. Der Sparer muss selbst zulageberechtigt sein. Für das Beitragsjahr 2027 gilt bei verheirateten Eltern, die zusammen in EU oder EWR leben, noch eine ältere Regel: Bei Eltern verschiedenen Geschlechts bekommt sie die Mutter, auf Antrag beider der Vater. Ab 2028 geht sie an den Elternteil, für den das Kindergeld festgesetzt ist; eine gemeinsame Erklärung kann sie dem anderen Elternteil zuordnen.

Für Expat-Familien folgt daraus etwas Einfaches. Setzt die Familienkasse für dich kein deutsches Kindergeld fest, etwa weil ein anderer Staat für dein Kind zahlt, gibt es für dieses Kind keine Kinderzulage. Wer deutsches Kindergeld bekommt, erklärt unser Kindergeld-Ratgeber.

Was Kosten von der Zulage übrig lassen

Das Gesetz deckelt die Effektivkosten des Standarddepots bis zur Rente auf 1 % im Jahr. Für das frei gestaltete Altersvorsorgedepot und für Garantieprodukte gilt der Deckel nicht. 1 % klingt wenig. Über Jahrzehnte ist es viel.

Rechenbeispiel, keine Empfehlung. Du fängst mit 30 an und zahlst bis 65 jedes Jahr 1.800 € ein, also 35 Jahre lang. Du bekommst jedes Jahr die volle Grundzulage von 540 € und keine Kinderzulage. Die Fonds bringen 5 Prozent im Jahr vor Kosten. Alle Werte gelten vor Steuern.

FallWert mit 65 (gerundet)
Altersvorsorgedepot mit 1 % Kosten im Jahrrund 172.000 €
Dasselbe Depot ohne Kostenrund 211.000 €
Normales Depot ohne Zulage und ohne Kostenrund 163.000 €

Du zahlst selbst 63.000 € ein und bekommst 18.900 € Zulagen. 1 % Kosten kosten rund 39.000 €, etwa doppelt so viel wie die Zulagen. Das geförderte Depot liegt trotzdem vor einem ungeförderten ohne Kosten, in diesem Beispiel aber nur, solange die Kosten unter etwa 1,3 Prozent im Jahr bleiben. Zahlst du nur 360 € im Jahr ein, hält der höhere Zulagensatz das Depot bis etwa 2 Prozent Kosten vorn.

Die Steuer verschiebt das Bild weiter. Auszahlungen aus dem Altersvorsorgedepot sind im Alter voll als Einkommen zu versteuern. Ein normales Depot versteuert nur die Erträge. Welche Variante mehr übrig lässt, entscheidet dein Steuersatz mit 65. Mit den Annahmen oben lässt sich die Rechnung nachvollziehen.

Gebunden bis zur Rente

Die Auszahlung beginnt frühestens mit 65, früher nur, wenn vorher eine gesetzliche Rente startet, und spätestens mit 70. Dann wählst du zwischen einer lebenslangen Rente und einem Auszahlungsplan, der mindestens bis zum 85. Geburtstag läuft. Bis zu 30 % des Kapitals kannst du zu Beginn auf einmal entnehmen.

Nimmst du das Geld früher heraus, gilt das als schädliche Verwendung: Du zahlst Zulagen und Steuervorteil zurück. Eine Ausnahme nennt das Gesetz: Kapital für eine selbst genutzte Wohnung nach § 92a Einkommensteuergesetz (Eigenheimrente) gilt nicht als schädliche Verwendung. Ob und wie du dafür Geld entnehmen kannst, regelt dein Vertrag. In der Ansparphase fallen auf Erträge im Depot keine Steuern an. Die Auszahlung wird später nach § 22 Nr. 5 Einkommensteuergesetz besteuert.

Was beim Wegzug aus Deutschland passiert

Die Reform hat § 95 Einkommensteuergesetz nicht geändert, er gilt also auch für das Altersvorsorgedepot. Danach fordert der Staat Zulagen und Steuervorteile zurück, wenn dein Wohnsitz ab Beginn der Auszahlungsphase außerhalb von EU und EWR liegt, oder wenn du nach einem Doppelbesteuerungsabkommen als dort ansässig giltst. Das betrifft den Ruhestand im Ausland ebenso wie einen späteren Umzug, etwa mit 68 in die USA, nachdem die Auszahlung in Deutschland begonnen hat. Die Gesetzesbegründung stellt klar, dass ein Wegzug in der Ansparphase das allein nicht auslöst.

Für dich heißt das:

  • Umzug innerhalb von EU und EWR: Der Vertrag behält seine Förderung.
  • Wohnsitz in Großbritannien, den USA, Kanada oder anderswo außerhalb von EU und EWR, nachdem die Auszahlung begonnen hat: Rechne damit, die Förderung zurückzuzahlen, auch wenn du erst im Ruhestand dorthin ziehst.
  • Wegzug und Rückkehr vor 65: Wegen des Umzugs wird nichts zurückgefordert.

Neue Zulagen gibt es nur in Jahren, in denen du zu einer der berechtigten Gruppen oben gehörst. Wer als Angestellter Deutschland verlässt, zahlt meist nicht mehr in die deutsche gesetzliche Rentenversicherung ein und fällt dann heraus; für Beamte, Versorgungswerk-Mitglieder und Selbstständige gelten ihre eigenen Bedingungen. Eine eigene Regel für den Wegzug hat das Gesetz nicht, das folgt aus den Regeln, wer berechtigt ist. Ist ein Ruhestand außerhalb von EU und EWR realistisch, behandle die Zulage wie einen Vorschuss, den du vielleicht zurückgibst.

Welche Anbieter schon angekündigt haben

Stand 26. Oktober 2026, ausschließlich von den Websites der Anbieter. Preise sind Ankündigungen; prüfe zum Start die endgültigen Bedingungen. Die Liste ist keine Rangfolge und keine Empfehlung.

AnbieterAngekündigte VariantenKosten laut AnbieterAnmeldung
Scalable Capital (Depot für die Voranmeldung)AdStandard; Selbst entscheidenKonto, Depot und Sparpläne 0 €. Standard: Order 0 €, ETF-Kosten 0 % bis mindestens 31.12.2027. Selbst entscheiden: Order 0,99 € (FREE) oder 0 € (PRIME+), ETFs ab 0 %, ggf. zzgl. Spreads und ProduktkostenVoranmeldung im Scalable-Konto
Trade RepublicStandarddepot; Depot für Selbstentscheider„Komplett kostenfrei“: keine Depotgebühr, keine Sparplankosten, keine Produktkosten bei Dutzenden ETFs; Ordergebühren für Einzelkäufe nicht genanntKeine Angabe
Traders PlaceStandarddepot; flexibles AltersvorsorgedepotStandard: Depot, Sparplan und Order 0 € zzgl. Spreads, Fondskosten bis 31.12.2028 erstattet bis 20.000 €. Flexibel: Order ab 500 € gebührenfrei, darunter 0,95 €Newsletter
flatexStandarddepot Core; Standarddepot Plus; FlexCore: Depot und Order 0 € zzgl. Spreads, Fondskosten max. 0,07 % ab dem sechsten Jahr, in den ersten fünf Jahren erstattet. Plus und Flex: noch nicht veröffentlichtE-Mail-Vormerkung
INGRelax (zwei vorausgewählte ETFs); Aktiv (frei)Nicht veröffentlichtStarteliste bis 31.12.2026, Startbonus für ING-Neukunden
comdirectStandard; FlexibelNicht veröffentlichtEarly-Bird-Registrierung für comdirect-Kunden bis 31.12.2026
ConsorsbankStandarddepot; flexibles AltersvorsorgedepotNicht veröffentlichtNewsletter
DKBNoch keine ProduktnamenNicht veröffentlichtNewsletter
finanzen.net zeroNoch keine Produktnamen„Gebührenfrei bei ZERO“Warteliste
1822direktKein Produkt angekündigt
S BrokerKein Produkt angekündigt

Der Scalable-Link ist als Anzeige gekennzeichnet und öffnet das normale Scalable-Depot. Scalable führt die Voranmeldung zum Altersvorsorgedepot in diesem Konto, Neukunden eröffnen also zuerst das Konto. Eine Warteliste oder Voranmeldung verpflichtet dich zu nichts und heißt noch nicht, dass das Produkt zertifiziert ist.

Fragen vor dem Abschluss

  • Gehst du in EU oder EWR in Rente? Wenn nicht, ist die Zulage ein Vorschuss.
  • Wie viel kannst du im Jahr sparen? Kleine, regelmäßige Beträge bekommen den höchsten Zulagensatz.
  • Standarddepot oder freie Auswahl? Nur das Standarddepot hat den Kostendeckel. Bei freier Auswahl bestimmst du die Fonds und prüfst die Kosten selbst.
  • Hast du einen Riester-Vertrag? Ein neuer Vertrag zieht ihn ins neue Recht.

Unser Ratgeber zur privaten Altersvorsorge in Deutschland stellt das Depot neben gesetzliche Rente, Betriebsrente und Rürup. Für Kinder erfüllen die Frühstart-Rente und ein Kinderdepot verschiedene Zwecke.

Oliver Frankfurth

Über Oliver

Gründer von expats.de, ehemaliger Bankfachwirt (IHK) mit 12 Jahren Erfahrung im Bankwesen und zertifizierter §34d Versicherungsmakler. Seit 2014 hat Oliver über 10.000 Expats geholfen. Olivers ganze Geschichte lesen →

11 Jahre Marktführerschaft§34d Lizenziert

Educational Notice & General Advice

This content is educational and reflects analysis based on our 11 years of market experience, our 200,000+ community insights, and current regulatory knowledge.

As a 34d-licensed insurance broker and experienced financial advisor, I provide this guidance in good faith. However, for personalized advice especially regarding insurance, mortgages, or tax-specific decisions—please consult with a qualified financial advisor or tax professional in your specific situation. Past expat experiences and historical market data do not guarantee identical results for your unique circumstances.